Warum KI im Mittelstand oft im Pilotprojekt stecken bleibt

Geschäftsführer und Fertigungsleiter prüfen in der Produktionshalle gemeinsam Kennzahlen auf einem Tablet

Das Wichtigste vorab: In Deutschland setzen 57 % der Unternehmen ab 20 Beschäftigten KI ein, zeigt eine Bitkom-Umfrage vom September 2026. Fast sechs von zehn schöpfen ihr Potenzial nach eigener Einschätzung jedoch überhaupt nicht aus. Im produzierenden Mittelstand und im Handwerk liegt das selten an der Technik. Es fehlen ein klar begrenzter Anwendungsfall, eine messbare Zielgröße und jemand in der Geschäftsführung, der am Ende entscheidet.

Der Vertrieb schreibt Angebotstexte mit ChatGPT. In der Arbeitsvorbereitung testet jemand ein Tool für Arbeitsanweisungen. Und in der Geschäftsführung bleibt die Frage offen, ob sich davon irgendetwas rechnet, da es keine belastbaren Kennzahlen zu den Projekten gibt.

Wenn Sie einen Produktionsbetrieb oder einen größeren Handwerksbetrieb führen, kennen Sie dieses Bild wahrscheinlich. KI ist im Haus. Im Alltag ist sie noch nicht angekommen beziehungsweise liefert noch keine messbaren Ergebnisse.

Damit sind Sie mit Ihrem Unternehmen aber nicht allein. Genau das ist das Problem.

Die Nutzung wächst schneller als der Nutzen

Die Zahlen steigen schnell. Laut ifo Institut nutzten im Mai 2026 bereits 54,5 % der Unternehmen in Deutschland KI, ein Jahr zuvor waren es 40,9 %. In der Industrie liegt der Anteil bei 58,7 %, bei mittelgroßen Unternehmen bei 47,2 %.

Dass sich KI lohnen kann, zeigt die KfW. Mittelständler mit KI kamen 2024 auf eine Umsatzrendite von 4,5 %, Betriebe ohne KI auf 3,6 %. Die Arbeitsproduktivität lag um rund 3,4 % höher. Die KfW weist selbst darauf hin, dass das ein Zusammenhang ist und kein Beweis für die Ursache. Erfolgreiche Unternehmen führen KI vielleicht auch einfach früher ein, indem sie ihre Innovationskraft auch intern nutzen.

Jetzt kommt der Haken. In der Bitkom-Umfrage unter 603 Unternehmen gibt kein einziges an, das Potenzial von KI vollständig auszuschöpfen. 3 % sagen „eher stark“, 59 % „überhaupt nicht“. Der Anteil derer, die KI überhaupt nicht ausschöpfen, ist dabei vom Betrieb mit 20 Beschäftigten bis zum Konzern fast gleich.

57 % der Unternehmen nutzen KI, 59 % schöpfen das Potenzial von KI im Mittelstand überhaupt nicht aus
Quelle: Bitkom Research, 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, 2026

Auch die Frage, wo KI eingesetzt wird, spricht Bände. Von den Unternehmen, die KI nutzen, setzen sie 72 % im Kundenkontakt ein und 54 % im Marketing. In den Produktionsabläufen sind es jedoch nur 22 %. KI steckt also vor allem dort, wo Texte entstehen. Im Kern der Wertschöpfung eines Fertigers kommt sie bisher selten an.

Im Handwerk ist der Abstand noch größer

Für das Handwerk sieht das Bild anders aus. In einer Bitkom-Studie unter 504 Handwerksbetrieben aus dem Sommer 2025 nutzten nur 4 % KI, weitere 9 % planten den Einsatz. 84 % sahen KI im eigenen Betrieb gar nicht als Thema. Der häufigste Grund steht in derselben Studie: 72 % der Betriebe sind im Alltag zu stark ausgelastet, um sich mit Digitalisierung zu befassen.

In der Studie zählt jeder Betrieb ab einem Beschäftigten mit. Dass sich die Lage schnell ändern kann, zeigt der Bau. Dort stieg der Anteil laut ifo in drei Jahren von 7,1 % auf 39,8 %.

Für Sie als Inhaber heißt das: Wer jetzt sauber startet, hat noch einen echten Vorsprung. Das sehen auch 35 % der befragten Handwerksbetriebe so. Sie erwarten einen Wettbewerbsvorteil für alle, die früh mit KI arbeiten. Welche Anwendungsszenarien es für Ihren Betrieb gibt, darüber können wir gerne in einem kostenlosen Erstgespräch reden.

Warum KI-Pilotprojekte im Alltag versanden

In meinen Projekten sehe ich vier Muster immer wieder. Keines davon ist technisch.

Das erste Muster ist ein fehlender Maßstab. Der Test startet ohne Ausgangswert. Nach acht Wochen sagt jemand, es laufe „ganz gut“. Für eine Investitionsentscheidung reicht das nicht, und deshalb fällt sie auch nicht.

Das zweite Muster sind Daten, für die niemand zuständig ist. Stücklisten, Preislisten und Prüfprotokolle liegen in Excel, in Köpfen und im ERP. Die KI liefert dann Antworten, die überzeugend klingen und trotzdem falsch sind. Nicht ohne Grund nennt die Hälfte der KI-Anwender in der Bitkom-Umfrage die Datenaufbereitung als großen Kostenpunkt.

Das dritte Muster sind zu viele Baustellen. Drei Tests laufen parallel, keiner wird ausgewertet. Die KfW beschreibt genau dieses Problem: Neben dem Tagesgeschäft fehlen im Mittelstand die Kapazitäten. Als zentrale Hürde nennt sie, überhaupt eine praxistaugliche erste Anwendung zu finden.

Das vierte Muster ist Wissen, das draußen bleibt. Ein Dienstleister richtet die Lösung ein und geht. Im Betrieb kann sie danach niemand pflegen, und die Belegschaft war nie wirklich beteiligt. 42 % der KI-Anwender nennen fehlende Akzeptanz der Beschäftigten als Hemmnis.

Was der produzierende Mittelstand anders machen kann

Fangen Sie mit einem einzigen Anwendungsfall an. Er sollte einen wirtschaftlichen Nutzen haben, oft vorkommen und sich messen lassen. Ein Mitglied der Geschäftsführung begleitet ihn, denn dort wird über Budget, Personal und einen möglichen Abbruch entschieden.

Im produzierenden Mittelstand und im Handwerk eignen sich für den Einstieg vor allem diese Abläufe:

  • Angebote und technische Klärung mit dem Kunden
  • Ersatzteil- und Serviceanfragen
  • Arbeitsanweisungen und Prüfdokumentation
  • Eingangsrechnungen und Lieferscheine
  • Wissen erfahrener Fachleute, bevor sie in Rente gehen
  • Optimierung von Fertigungsabläufen

Bevor der Test beginnt, steht schriftlich fest, woran Sie Erfolg messen, wer die Daten pflegt und wann ausgewertet wird. Am Auswertungstermin gibt es vier erlaubte Ergebnisse: beenden, anpassen, skalieren oder weiterführen. Ein beendeter Test ist dann kein Scheitern. Er ist eine Entscheidung, die Geld spart.

KI-Pilotprojekt im Mittelstand in fünf Schritten mit Checkliste vor dem Start
Vorgehen nach dem Fünf-Phasen-Modell von EBIDOS

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein produzierendes Unternehmen kam mit einem typischen Engpass zu mir. Technische Angebote hingen an wenigen erfahrenen Fachleuten. Fiel einer von ihnen aus, blieben Anfragen liegen.

Wir haben uns auf genau diesen einen Ablauf konzentriert. Entstanden ist eine zentrale, KI-gestützte Wissensbasis. Sie macht das technische Expertenwissen für das Team verfügbar und gleicht Kundenanforderungen automatisch mit den Produktspezifikationen ab. Bestehende Angebote dienen als zusätzliche Quelle.

Das Ergebnis ist messbar. Die Angebotserstellung läuft heute bis zu 50 % schneller, und Ausfälle einzelner Fachleute bringen den Vertrieb nicht mehr ins Stocken. Möglich war das, weil das Ziel vorher klar war und weil die Menschen mitgearbeitet haben, die das Wissen tragen.

Ihr nächster Schritt

Sie müssen nicht wissen, welches Tool Sie brauchen. Wichtiger ist die Frage, welcher Ablauf in Ihrem Betrieb heute am meisten Zeit oder Marge kostet.

In einem kostenlosen Erstgespräch von 30 Minuten schauen wir gemeinsam auf Ihre Ausgangslage. Sie erfahren, wo der größte Hebel liegen könnte, und genauso offen, ob sich eine vertiefte Beratung überhaupt lohnt. Wie ich dabei vorgehe, lesen Sie auf der Seite zur KI-Beratung für den Mittelstand. Wer vorab erste Zahlen durchspielen will, nutzt den KI-ROI-Rechner.

EBIDOS ist als Berater im BAFA-Förderprogramm „Unternehmensberatung für KMU“ gelistet. Der Bund übernimmt 50 % der Beratungskosten, in den neuen Bundesländern 80 %, jeweils bis zu einer Obergrenze. Gerne prüfen wir im Erstgespräch auch, ob ein solches Förderprogramm für Sie infrage kommt.

Häufige Fragen

Wie startet ein mittelständisches Unternehmen mit KI?

Mit einem einzigen, klar begrenzten Anwendungsfall, der oft vorkommt und messbar ist. Vor dem Start werden Ziel, Daten, Verantwortliche und ein Auswertungstermin schriftlich festgelegt. Ein Mitglied der Geschäftsführung begleitet das Projekt und entscheidet am Ende.

Warum scheitern KI-Pilotprojekte im Mittelstand?

Meist fehlt ein vorher vereinbarter Maßstab für Erfolg. Hinzu kommen ungepflegte Daten, zu viele parallele Tests und fehlende Beteiligung der eigenen Beschäftigten. An der Technik selbst liegt es selten.

Welcher KI-Anwendungsfall eignet sich für Produktionsbetriebe?

Gut geeignet sind Abläufe mit vielen Wiederholungen und vorhandenen Daten. Dazu zählen Angebotserstellung, Ersatzteilanfragen, Arbeitsanweisungen und die Verarbeitung von Eingangsrechnungen. In einem Projekt von EBIDOS wurde die Angebotserstellung so um bis zu 50 % schneller.

Lohnt sich KI auch für Handwerksbetriebe?

Für größere Handwerksbetriebe oft ja, vor allem in Büro, Angebot und Dokumentation. Laut Bitkom nutzten 2025 erst 4 % der Handwerksbetriebe KI. Wer jetzt strukturiert startet, sichert sich einen Vorsprung.

Müssen Daten und Prozesse vor dem Start perfekt sein?

Nein. Unvollständige Daten und gewachsene Systeme sind im Mittelstand normal. Entscheidend ist, für den gewählten Anwendungsfall zu prüfen, wo die nötigen Informationen liegen und wer sie pflegt.

Quellen

Lukas Baur
AutorLukas BaurGründer EBIDOS · Interim Executive · KI-Berater (IHK)Mehr über mich